Hintergrund
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Traumberuf: Zwischen Freiheit, Selbstbestimmung und Realität

 

Medizin heute: Eine schwierige Liebe zum Beruf

Engagement und die Liebe zum Beruf waren mit Händen zu greifen, als die FrAktion Gesundheit in der Berliner Ärztekammer zu einem Gedankenaustausch unter dem Titel „Traumberuf Arzt: Zwischen Freiheit, Selbstbestimmung und Realität“ am 26. September 2018 in die Berliner Ärztekammer geladen hatte – aber auch Wut und Enttäuschung angesichts der konkreten Arbeitsbedingungen. Ein Publikum aus verschiedenen Bereichen der Medizin und aus allen Altersgruppen tauschte sich über die Verhältnisse aus, unter denen Ärztinnen und Ärzte heute ihren Ansprüchen an eine anständige Medizin gerecht werden müssen.

Begeisterung wurde spürbar, wenn es um die fürsorglichen Aspekte der Medizin, das Miteinander mit Patientinnen und Patienten, um den Ethos des Heilens und die Faszination der medizinischen Wissenschaft ging.

 

 

 

Zerrissen zwischen Fürsorge und Kommerz

Umso harscher war die Kritik an den entmenschlichenden Bedingungen unter denen Ärztinnen und Ärzte im Zielkonflikt zwischen den Zumutungen des Gesundheitsmarktes und den eigenen Ansprüchen an eine individuelle und menschengerechte Medizin ihren Weg finden müssen. Die immense Arbeitsverdichtung scheint die letzten Freiräume aus dem klinischen Alltag herausgepresst zu haben, innerhalb derer eigenbestimmtes fürsorgliches Handeln gegenüber Patientinnen und Patienten noch ebenso möglich war, wie die eigene Weiterentwicklung und Ausbildung selbst angesichts fehlender formalisierter Weiterbildungsstrukturen. Jetzt führen unzureichende Ausbildung und der qualitative Verfall der Medizin durch Personalreduktion und Ersatz qualifizierter Fachärztinnen und Fachärzte durch Weiterbildungsassistenten und medizinisches Hilfspersonal zu Überforderung und ständiger Sorge, den Patientinnen nicht mehr gerecht werden zu können. 

 

Marktchaos statt planvoller Politik

Die Kolleginnen und Kollegen bezweifeln gleichzeitig, ob sie mit ihrer Sorge um die Qualität der Medizin und um ihre Patient:innen noch irgendwo Gehör finden. Innerhalb des Gesundheitssystems erleben sie entgegen ihrem Anspruch auf eigenbestimmte medizinische Entscheidungen eine fortschreitende Kolonisierung der Medizin durch Sekundärberufe wie Controller:innen, Bürokrat:innen und Medizinkaufleute, die ihre Existenzberechtigung aus der Zurechtmachung und Abstrahierung individuellen ärztlichen Handelns für einen anonymen Gesundheitsmarkt ziehen. Und draußen begegnen die noch-nicht-Patient:innen dem Verfall des Gesundheitswesens, der maroden Infrastruktur und der unzureichenden Personalausstattung mit eigenartiger Gleichgültigkeit. Ärzt:innen fühlen sich von einer Gesundheitspolitik verraten, die ihrer Diagnose angeblicher stationärer Überkapazitäten nicht durch planvollen Abbau entspricht, sondern indem sie den gesamten Krankenhaussektor einem wirtschaftlichen Überlebenskampf unterwirft, der als Unterbietungswettbewerb hinsichtlich der medizinischen Qualität wirksam wird und als ineffektive Kostenverschiebung zwischen und innerhalb der Sektoren. 

 

Ärztinnen und Ärzte, die ihre eigenen Ansprüche noch nicht dem Diktat der Profitlogik unterworfen haben und die ärztliches Handeln nicht als warenförmige Dienstleistung betrachten wollen, fühlen sich auf verlorenem Posten. Gerade ihr eigener Anspruch, mit dem Elend ihrer Patient:innen kein Geschäft machen zu wollen, lässt sie zu Geiseln eines Gesundheitssystems werden, dessen scheinbares Funktionieren nach außen hin sie nur durch Selbstausbeutung und in ständiger institutioneller Überforderung aufrecht erhalten. Im täglichen Kampf um das Wohlergehen ihrer Patient:innen und den Respekt vor ihrem eigenen Tun fühlen sie sich missbraucht - auch als Tünche für immer offensichtlichere Risse im Sozialsystem. Zu oft werden Menschen in Notlagen, in denen soziales Elend von Krankheit nicht mehr unterschieden werden kann, der Medizin als letzter Instanz überlassen. 

Vor diesem Hintergrund scheint die berufliche Flucht aus dem stationären Sektor vielen als Ausweg, auch wenn sie zunächst nicht unbedingt die Tätigkeit in eigener Praxis zum Ziel hatten. Umso wichtiger erscheinen Fragen nach strukturierter und verlässlicher Weiterbildung, die bislang regelmäßig durch Gefälligkeitsunterschriften für Wohlverhalten ersetzt wurde und deren ausufernde und nicht umsetzbare Anforderungskataloge in der Realität mehr zur Erpressbarkeit der Assistent:innen beitrugen, als zur Sicherstellung der Weiterbildungsinhalte.

 

FrAktion Gesundheit: Für mehr Freude am Beruf. Für verlässliche Weiterbildung. Für eine gerechte Medizin.

Im Bereich der Ärztekammer soll ein Schwergewicht der Arbeit der FrAktion Gesundheit gerade auf der Ermächtigung der Weiterzubildenden durch verbindliche Weiterbildungskonzepte und angemessene zeitliche Ressourcen im Arbeitsalltag liegen. Die Probleme, die den ärztlichen Berufsalltag darüber hinaus gegenwärtig prägen, scheinen uns weder durch Standespolitik und Serviceleistungen der Kammerverwaltung zu lösen noch durch reine Tarifpolitik. 

 

Der umfassenden Bedeutung der Medizin und ihrer Strukturen für das menschliche Gemeinwesen entspricht für die FrAktion Gesundheit eine ebenso umfassend politische Herangehensweise. Die Ärztekammer wünschen wir uns als Forum für eine Diskussion über die Zukunft der Medizin in Berlin und darüber hinaus. Wir möchten die gesundheitspolitischen Diskussionen im Land mitprägen und hierbei unser Expert:innenwissen ebenso einbringen wie unser staatsbürgerliches Engagement.

 

Die FrAktion Gesundheit lädt alle Kolleginnen und Kollegen ein, sich an dieser Diskussion zu beteiligen.

 

WICHTIG!

Nächster Sitzungstermin ist am:

1.12.2021 20 Uhr  FrAktionssitzung - via Zoom (Vorbereitung der DV am 8.12. - Reserve-DV)

Wer den ZOOM-Link erhalten möchte, schicke bitte eine Mail an info@fraktiongesundheit.de

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 info@fraktiongesundheit.de 

 

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