Hintergrund

Bessere Arbeitsbedingungen für alle Gesundheitsberufe

 

In Berlin arbeiten 45.000 Krankenhausbeschäftigte in der Pflege, der Medizin, als Therapeuten oder Servicekräfte. Sie alle spüren den zunehmenden ökonomischen Druck an den Berliner Krankenhäusern. Trotz der kürzeren Krankenhausaufenthalte wird von offizieller Seite stets auf eine durchgehend hohe Versorgungsqualität hingewiesen. Die Krankenhausbehandlung profitiert zwar von besseren Arbeitsabläufen sowie abgestimmten Diagnose- und Behandlungsprogrammen. Gleichzeitig findet aber eine enorme Arbeitsverdichtung statt, die das Personal vor große Problemen stellt..

Mit der Aufnahme der Patientinnen und Patienten beginnt die Stoppuhr mitzulaufen. Für die Beschäftigten entsteht ein permanenter Rechtfertigungsdruck: Gegenüber der ärztlichen Abteilungsleitung und der Geschäftsführung, dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen und nicht zuletzt den Patientinnen und Patienten. Das hat zur Folge, dass die Dokumentationspflichten für alle Berufsgruppen einen immer größeren Teil der täglichen Arbeit einnehmen. Hierarchische Strukturen im ärztlichen Dienst lassen junge Ärztinnen und Ärzte Alternativen außerhalb der Klinik suchen. Da das Personal den größten Kostenblock ausmacht, werden freiwerdende Stellen nur zögerlich besetzt. Wenn in dieser angespannten Personalsituation weitere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ausfallen, erhöht sich der Arbeitsdruck, insbesondere bei der Zahl der Dienste.

Jeder Beschäftigte im Gesundheitswesen hat den Anspruch, seine Patienten gut zu versorgen. Aber die dadurch entstehenden Überstunden, die fehlenden Möglichkeiten zur Supervision und Weiterbildung und die mangelhafte Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen und den verschiedenen Fachrichtungen machen das Arbeiten im Krankenhaus zunehmend unattraktiv und nervenaufreibend.

Selbst die fachliche Qualität wird dem ökonomischen Druck geopfert. Während der Nacht- und Wochenenddienste werden Radiologen eingespart, fachübergreifende Vordergrunddienste eingeführt und junge Kolleginnen und Kollegen mit ihren Problemen oft allein gelassen.

Die FrAktion Gesundheit fordert deshalb für eine bessere Medizin und bessere Arbeitsbedingungen im Krankenhaus:

 

1. Krankenhäuser dürfen nicht zu einer „Gesundheitsfabrik“ verkommen

Die FrAktion Gesundheit setzt sich dafür ein, dass die Finanzierungsgrundlagen und die Personalbemessung neu justiert werden. Die Kliniken sollen Arbeitsplätze bieten, an denen sich alle Berufsgruppen auf die Gesundheit ihrer Patientinnen und Patienten konzentrieren.

 

2. Für eine patientenzentrierte Medizin darf es keine starren Grenzen zwischen Berufsgruppen und Fachbereichen geben

Innerhalb der Häuser brauchen wir eine neue Form der Zusammenarbeit. Wir wollen interdisziplinär, in flachen Hierarchien, in gemeinsamer Fort- und Weiterbildung unsere Patientinnen und Patienten versorgen.

 

3. Gute Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigten im Gesundheitswesen

Wir unterstützen den gemeinsamen Einsatz aller Beschäftigten für gute Arbeitsbedingungen. Wir fordern eine tarifliche bzw. gesetzliche Mindestpersonalbesetzung. Die Personalplanung muss sich daran orientieren, dass mehr Zeit am Patienten zur Verfügung steht – auch für eine sprechende Pflege und Medizin. Darüber hinaus braucht es gesundheitsfördernde Maßnahmen, eine familienfreundliche Arbeitsorganisation, altersgerechtes Arbeiten, gerechte Löhne und eine bessere Aus- und Weiterbildungsqualität. Pflegenden und Ärzten müssen mehr Perspektiven zur beruflichen Weiterbildung eröffnet werden.

Überstunden müssen durch ausreichende Personalbesetzung konsequent vermieden werden. Wo sie entstehen, müssen diese in Freizeit ausgeglichen werden. Bereitschaftsdienste müssen planbar und in einem zeitlich zumutbaren Rahmen stattfinden. Im Gesundheitswesen braucht es flexible und familienfreundliche Arbeitszeitmodelle. Es muss daher auch möglich sein, auf Opt-out-Regelungen sanktionsfrei zu verzichten.

Die ärztliche Weiterbildung in Teilzeitstellen ist bisher unzulänglich organisiert. Angesichts der Bedeutung familienfreundlicher Arbeitsplätze muss Weiterbildung in Teilzeit künftig so organisiert werden, dass die Weiterbildung in Teilzeitarbeitsmodellen so gut wird, dass dann nicht mehr die Formel gilt „50% Stelle = doppelte Weiterbildungszeit“. Die Berliner Ärztekammer muss in dieser Frage mit der Entwicklung entsprechender Konzepte vorangehen.

 

Wir rufen alle ärztlichen Kolleginnen und Kollegen dazu auf, sich im Berliner Alltag und bei gewerkschaftlichen Auseinandersetzungen für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen auch und gerade mit den nicht-ärztlichen Beschäftigten solidarisch zu erklären. Die gute medizinische Versorgung der Bürgerinnen und Bürger bedarf qualifizierter und zufriedener Mitarbeiter aller Gesundheitsberufe.

Wir fordern eine allgemeinverbindliche Personalbemessung für Krankenhausfachpersonal und eine Reform der Krankenhausfinanzierung.

 

WICHTIG!

 

Treffen der FrAktion Gesundheit

 

Mittwoch, 10. Januar 2018 19.45 Uhr
(Achtung: Findet wieder statt in einem anderen Lokal gegenüber vom Paracas im
Restaurant Dehli 6, Friedrichstr. 237, 10696 Berlin)

Ort:

Restaurant Paracas
Friedrichstraße 12
10969 Berlin

 

Wer aktuelle Informationen der FrAktion Gesundheit wünscht oder mitmachen möchte, kurze Info an:
info@fraktiongesundheit.de

 

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Spendenkonto:

FrAktion Gesundheit

Berliner Volksbank

Konto-Nr. 5273894006

BLZ 100 900 00

IBAN: DE92 1009 0000 5273 8940 06

BIC: BEV0DEBB 

 

 

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